Barrierefreiheit CES 2026

Die Consumer Electronics Show (CES) fand vom 6. bis 9. Januar 2026 wieder statt! Die größte jährliche Technologiemesse ging letzte Woche in Las Vegas über die Bühne, wo Unternehmen aus aller Welt neue Konsumprodukte, Prototypen und Software-Updates präsentierten. Die CES 2026 bot Hunderte von Ankündigungen mit Fokus auf künstliche Intelligenz, Unterhaltungselektronik und Smart-Home-Lösungen. Darüber hinaus wurden aber auch zahlreiche Technologien vorgestellt, die Barrierefreiheit, selbstständiges Wohnen und Gesundheitsüberwachung unterstützen könnten.

Tibber (DE)

Hier unser Überblick über die Geschehnisse:

Mehrere Unternehmen stellten Roboter vor, die bei Haushaltsaufgaben helfen sollen. ReviMo präsentierte Niko, einen Roboterlift, der Nutzern den selbstständigen Transfer zwischen Bett, Rollstuhl oder Stuhl ermöglicht. SwitchBot demonstrierte seinen Roboter Onero H1 bei Aufgaben wie dem Aufsammeln von Kleidung, dem Beladen von Waschmaschinen und dem Servieren von Speisen. Diese Systeme werden als Assistenztechnologien für den Haushalt positioniert und bieten potenzielle Vorteile für Menschen mit körperlichen Einschränkungen.

Auch Gesundheits- und Überwachungsgeräte waren auf der Messe allgegenwärtig. Withings kündigte den Body Scan 2 an, eine verbesserte smarte Waage, die bis zu 60 Biomarker erfassen kann. Throne und Vivoo stellten Toiletten-basierte Gesundheitsüberwachungsprodukte vor, die Urin- und Stuhlgang überwachen und so Aufschluss über Flüssigkeitszufuhr und Darmgesundheit geben sollen. Diese Geräte wurden als Hilfsmittel für die Verbrauchergesundheit und nicht als Medizinprodukte präsentiert.

Auch Software-Updates für Smart-Home-Systeme könnten Auswirkungen auf die Barrierefreiheit haben. Amazon kündigte eine überarbeitete Benutzeroberfläche für Fire TV mit Leistungsverbesserungen von bis zu 20 bis 30 Prozent sowie weiterhin bestehender Sprachsteuerung an. Das Unternehmen stellte außerdem eine browserbasierte Version von Alexa+ vor, mit der Nutzer den Sprachassistenten auch ohne ein separates Amazon-Gerät verwenden können.

Google hat Details zu den kommenden, auf Gemini basierenden Funktionen für Google TV vorgestellt. Dazu gehören die Möglichkeit, TV-Einstellungen per Sprachbefehl anzupassen, Google Fotos nach Personen oder Momenten zu durchsuchen und automatisch Diashows zu erstellen. Diese Funktionen reduzieren die Abhängigkeit von Bildschirmmenüs und Fernbedienungen.

Philips Hue hat SpatialAware vorgestellt, eine Beleuchtungsfunktion, die mehrere Leuchten in einem Raum koordiniert und so die Erstellung von Lichtszenen ermöglicht. Philips kündigte außerdem die baldige Unterstützung von Apple Home für seine Hue Secure Kameras, Türklingeln und Kontaktsensoren an, wodurch die Geräteverwaltung über eine zentrale Plattform möglich wird.

Samsung hob bei seiner CES First Look-Präsentation die erweiterte Automatisierung und sprachgesteuerte Bedienung von Haushaltsgeräten wie Kühlschränken, Waschmaschinen und Staubsaugern hervor, wodurch der Bedarf an wiederholten manuellen Einstellungen reduziert wird.

Tragbare und bildbasierte Barrierefreiheitstechnologien standen auf der CES 2026 ebenfalls im Fokus. Hapware präsentierte Aleye, ein haptisches Armband, das in Kombination mit der Ray-Ban Meta Smartbrille Mimik und nonverbale Signale in Gesprächen interpretiert. Das System nutzt die Computer-Vision-Funktionen der Brille, um Videos an eine App zu streamen. Diese erkennt Mimik und Gesten und übersetzt sie in unterschiedliche Vibrationsmuster auf dem Armband.

Aleye richtet sich an blinde, sehbehinderte oder neurodiverse Menschen. Nutzer können individuell festlegen, für welche Gesichtsausdrücke und Gesten sie Feedback erhalten möchten, und die App unterstützt sie beim Erlernen der Vibrationsmuster. Laut Hapware lernen viele Nutzer innerhalb weniger Minuten mehrere Muster. Die App kann mithilfe von Meta AI auch Sprachausgabe bieten, diese Option könnte jedoch von manchen Nutzern als störend empfunden werden.

Hapware nimmt ab sofort Vorbestellungen für Aleye entgegen. Das Armband ist ab 359 US-Dollar erhältlich, das Armband inklusive eines Jahresabonnements für die erforderliche App kostet 637 US-Dollar. Die Ray-Ban Meta Smartbrille ist nicht im Lieferumfang enthalten.

Auf der CES 2026 wurden auch experimentelle Hardware-Konzepte vorgestellt, die neue Wege der Interaktion mit Bildschirmen erforschen. Lenovo präsentierte sein XD Rollable Concept Notebook und setzte damit seine Arbeit an rollbarer Displaytechnologie fort. Basierend auf der gleichen Kerntechnik wie das letztjährige ThinkBook Plus Gen 6 verfügt das XD Rollable über ein 13,3 Zoll großes, flexibles OLED-Display, das sich per Knopfdruck auf 16 Zoll erweitern lässt und so innerhalb weniger Sekunden rund 50 Prozent mehr Bildschirmfläche bietet.

Anstatt den ungenutzten Teil des Displays unter der Tastatur zu verbergen, wölbt sich das Panel des XD Rollable über den Laptopdeckel und bildet so ein nach außen gerichtetes Display auf der Rückseite. Dieses rückseitige Display kann Inhalte des Hauptbildschirms spiegeln oder als kleines Zweitdisplay für Personen gegenüber dem Benutzer dienen. Der Laptop ist durch eine 180-Grad-Gorilla-Glass-Victus-2-Abdeckung geschützt, und seine Motoren und Schienen sind unter dem Glas sichtbar.

Das Gerät bietet zwar eine Weltraum-Animation, wenn das Display ausgeklappt ist, doch der nach außen gerichtete Bildschirm ist im Alltag nur bedingt nützlich. Er ist im Normalbetrieb nicht sichtbar, könnte aber für Meetings oder Präsentationen verwendet werden. Im nicht ausgeklappten Zustand bietet das Display jedoch einen gewissen Nutzen: Über die Touch-Bedienelemente am Rand lassen sich Widgets verwalten oder der Bildschirm erweitern. Das XD Rollable verfügt außerdem über eine komfortable Tastatur und ein ausreichend großes Touchpad. Der Glasdeckel erhöht jedoch das Gewicht, und die Anschlussmöglichkeiten beschränken sich auf zwei USB-C-Anschlüsse. Lenovo hat bisher keine Pläne für eine Serienproduktion des Konzepts bekannt gegeben.

Werkzeuge zur Kennzeichnung und Identifizierung waren ein weiterer Schwerpunkt der CES 2026 im Bereich Barrierefreiheit. Mangoslab präsentierte den Nemonic Dot, einen Braille-Etikettendrucker, der blinden Menschen helfen soll, Alltagsgegenstände wie Medikamentenflaschen zu unterscheiden. Das Gerät ist als kostengünstigere Alternative zu herkömmlichen elektronischen Braille-Etikettendruckern gedacht, die über 1.250 US-Dollar kosten können. Der Nemonic Dot soll voraussichtlich 995 US-Dollar kosten.

Der Nemonic Dot ist ein kleiner, rechteckiger Kunststoffdrucker, etwa so groß wie ein Stapel Untersetzer, der sich kabellos mit einem Smartphone verbindet. Mithilfe einer speziellen App sprechen die Nutzer den Etikettentext ein. Dieser wird in Text umgewandelt, anschließend in Blindenschrift übersetzt und dann auf einen Klebestreifen gedruckt. Diese Etiketten können dann auf Gegenständen wie Medikamentenfläschchen, Lebensmittelbehältern oder Haushaltsgegenständen angebracht werden.

Anders als herkömmliche Braille-Etikettendrucker, die auf Texteingabe über Braille-Tasten oder eine QWERTY-Tastatur angewiesen sind, nutzt der Nemonic Dot eine rein sprachbasierte Schnittstelle. Auf der CES Unveiled demonstrierte Mangoslab die Beschriftung von Gegenständen, die leicht zu verwechseln sind, darunter Salz- und Pfefferstreuer sowie gleich große Medikamentenflaschen. Während der Vorführungen hatte die App gelegentlich Schwierigkeiten mit längeren Medikamentennamen, konnte gesprochene Wörter jedoch nach einem Neustart korrekt übersetzen.

Mangoslab entstand als Ausgründung der internen Forschungsabteilung C-Lab von Samsung und entwickelte zuvor einen Haftnotizdrucker unter der Marke Nemonic. Der Nemonic Dot soll Familien und Freunden die Erstellung von Braille-Etiketten für blinde Angehörige ermöglichen. Der Drucker soll im zweiten Quartal 2026 auf den Markt kommen. Standard-Klebeband-Nachfüllpackungen kosten 5 US-Dollar; auch stärkeres Kupferklebeband wird erhältlich sein, der Preis hierfür steht jedoch noch nicht fest.

Die CES 2026 präsentierte Technologietrends in den Bereichen Sprachsteuerung, Automatisierung, Assistenzsysteme, Wearable Intelligence und experimentelle Formfaktoren, die potenziell Barrierefreiheit und Unabhängigkeit verbessern. Die entscheidende Frage ist: Werden diese Innovationen im Alltag Wirkung zeigen? Bezahlbarkeit, Verfügbarkeit und praktische Anwendbarkeit werden dabei von zentraler Bedeutung sein.

Dennoch ist es immer wieder spannend, die Fortschritte zu sehen!